Vitiligo (Weißfleckenkrankheit)

Die Vitiligo (Weißfleckenkrankheit) ist eine ungefährliche Pigmentstörung der Haut. Sie macht sich aufgrund des Verlustes des braunen Hautpigments Melanin mit weniger pigmentierten oder unpigmentierten (weißen) Hautflecken bemerkbar.

Die unpigmentrierten Bereiche können sich prinzipiell an jeder Körperstelle bilden. Häufig beginnt die Krankheit jedoch im Gesicht, an Händen oder Füßen.
Schätzungen zufolge leidet circa 1% der Bevölkerung weltweit an der Weißfleckenkrankheit. In Deutschland sind etwa 500.00 Menschen davon betroffen. Sie tritt bei allen Hauttypen und allen Altersgruppen auf. 

Vitiligo ist nicht ansteckend und verursacht normalerweise keine weiteren gesundheitlichen Probleme, sodass Menschen mit Vitiligo in ihrem täglichen Leben nicht eingeschränkt sind. Viele der Betroffenen empfinden die auffälligen Hautveränderungen allerdings als ästhetisch störend. Dies kann zu seelischen Belastungen führen. Vor allem bei sehr ausgeprägten Formen kann die Pigmentstörung zu einem beeinträchtigten Selbstbewusstsein führen.

Ursachen

Die genaue Ursache der Weißfleckenkrankheit ist nicht bekannt. Es handelt sich dabei vermutlich um eine Immunreaktion gegen die körpereigenen Zellen, die das Melanin produzieren, die sogenannten Melanozyten. Durch diese sogenannte Autoimmunreaktion verlieren die Melanozyten die Fähigkeit, Farbstoffe zu produzieren und verursachen so die farblosen Hautabschnitte (weißen Flecken), die charakteristisch für die Vitiligo sind.

Emotionale Stresssituationen wie Unfälle, Todesfälle in der Familie und schwere Erkrankungen werden bei der Vitiligo als krankheitsauslösend angesehen. Aber auch die Vererbung scheint bei der Entstehung der Weißfleckenkrankheit eine Rolle zu spielen: etwa drei von zehn Betroffenen haben ein Familienmitglied, das ebenfalls Vitiligo hat. Kinder, bei denen ein Elternteil Vitiligo hat, tragen ein Risiko von circa 5 bis 6 %, ebenfalls weiße Flecken zu entwickeln.
Außerdem können schwere Sonnenbrände sowie lokale Hautschädigungen, – etwa im Rahmen einer Schuppenflechte – die Entstehung von Vitiligo begünstigen oder ihr Voranschreiten beschleunigen.
Zudem tritt Vitiligo häufig in Verbindung mit Autoimmunerkrankungen wie zum Beispiel Diabetes mellitus oder bestimmten Schilddrüsenerkrankungen auf.

Symptome

Am häufigsten beginnt Vitiligo zwischen dem 10. und 30. Lebensjahr, in circa 25 % der Fälle treten die ersten Flecken vor dem 10. Lebensjahr auf, bei 50 % vor dem 20. Lebensjahr.
Anfangs entstehen meist nur kleine Herde, deren Rand etwas dunkler aussieht. Diese wachsen dann meist und ihre Anzahl nimmt zu.
Die depigmentierten Hautbereiche treten bevorzugt an Stellen mit Zugbelastung auf, zum Beispiel an den Gelenken und Achseln, an Knien und Ellbogen, aber auch an Stellen, die der Sonne ausgesetzt sind, wie Gesicht, Hand und Fußrücken. Handflächen und Fußsohlen. Leisten sowie Gesäßfalte und Genitalregion sind ebenfalls häufig betroffen. Die Flecken sind einige Millimeter bis Zentimeter groß und rund oder oval. Ihre Ränder sind unregelmäßig geformt, aber scharf von der sie umgebenden Haut abgegrenzt.

Mediziner unterscheiden verschiedene Formen von Vitiligo, die lokalisierte, die generalisierte und die universelle. 

In manchen Fällen sind die weißen Flecken auf einzelne Hautbereiche beschränkt. Dann spricht man von einer lokalisierten Vitiligo. Man findet die weißen Flecken dann vor allem an Stellen, an denen die Haut verletzt war, zum Beispiel an Narben von Schnittverletzungen. Diese Form schreitet meist nicht voran; etwa 2% aller Erkrankten sind davon betroffen.

Die Depigmentierung kann bei der Vitiligo aber auch über den gesamten Körper verteilt auftreten. In diesem Fall spricht man von der generalisierten Vitiligo. Diese generalisierte Form wird wiederum in zwei Unterformen unterteilt, die Vitiligo vulgaris und die Vitiligo akrofazialis.
Bei der Vitiligo vulgaris handelt es sich um die häufigste Form der Weißfleckenkrankheit, sie tritt bei 90 % aller Erkrankten auf. Die weißen, unregelmäßigen Flecken sind über die gesamte Hautoberfläche verteilt. Auch an den Schleimhäuten und der behaarten Haut, zum Beispiel am Kopf, an den Augenbrauen oder im Bereich der Wimpern sind die depigmentierten Hautstellen keine Seltenheit. Da der von den Pigmentzellen produzierte Farbstoff Melanin auch für die Färbung der Haare verantwortlich ist, erscheinen die Haare der betroffenen Bereiche ebenfalls weiß.
Bei der Vitiligo akrofazialis befinden sich die weißen Flecken überwiegend im Gesicht. Insbesondere der Bereich um Mund und Augen fällt durch landkartenartige weiße Bezirke auf. Zusätzlich sind oft auch Hände und Füße betroffen. 

Die universelle Vitiligo wiederum zeichnet sich durch eine beinahe vollständige Depigmentierung der Haut (mehr als 80 % der Körperoberfläche) aus.

Diagnose

Sollten weiße Flecken auf der Haut oder andere Hautveränderungen auftreten, so sollte in jedem Fall ein fachart für Dermatologie aufgesucht werden. So bilden sich helle Hautflecken manchmal auch nach bestimmten Hautpilzinfektionen oder durch chronische Hautausschläge. Die Abgrenzung von der Vitiligo ist aber nur einem Hautarzt möglich.

Meist genügt dem Arzt die Untersuchung der Haut mit dem bloßen Auge, um Vitiligo zu diagnostizieren. Im Zweifel helfen zusätzliche Untersuchungen, die Diagnose abzusichern.
So kann der Hautarzt die Haut mit der sogenannten Wood-Lampe untersuchen. Diese strahlt ultraviolettes Licht einer bestimmten Wellenlänge aus. Charakteristisch für die Weißfleckenkrankheit ist, dass die Vitiligo-Herde unter dem Wood-Licht weißlich-gelb aufleuchten.

Zusätzlich kann der Arzt aus einem veränderten Hautareal eine Gewebeprobe entnehmen und sie anschließend im Labor histologisch beurteilen lassen. Im Fall der Vitiligo befindet sich kein braunes Hautpigment in den Zellen der Oberhaut, wie es normalerweise der Fall wäre. Ebenso kann eine zusätzliche Augen-Untersuchung sinnvoll sein, denn manchmal zieht Vitiligo auch die Augen in Mitleidenschaft.
Blutuntersuchungen sind im Rahmen der Diagnose der Weißfleckenkrankheit ebenfalls wichtig, um mögliche Begleiterkrankungen wie Schilddrüsenfunktionsstörungen oder Diabetes mellitus festzustellen.

Behandlung

Die Vitiligo-Krankheit verläuft, wie viele Autoimmunerkrankungen, meist schubweise. Viele der bereits entstandenen Flecken bleiben dauerhaft bestehen. Dennoch können sie sich in seltenen Fällen auch von alleine zurückbilden.
Ist eine wirksame Behandlung gefunden, lassen sich mit konsequenter Anwendung neue Schübe verhindern. Eine vollständige Vitiligo-Heilung ist aber leider nicht möglich. Erstes Ziel jeder Behandlung ist es also, ein weiteres Größerwerden der Hautflecken zu stoppen und bereits bestehende depigmentierte Stellen wenn möglich wieder zu verkleinern. 

Ärzte setzen zur Behandlung vorwiegend die sogenannte Phototherapie ein. Zur Therapie stehen außerdem Salben mit Cortison und anderen Wirkstoffen zur Verfügung.

Medikamente

Befällt die Vitiligo nicht mehr als 10 % der Körperoberfläche, können diese Stellen gezielt mit Cremes behandelt werden. Als wirksam haben sich zum Beispiel Präparate erwiesen, die Cortison enthalten. Cortison wirkt entzündungshemmend. Zudem nehmen Wissenschaftler an, dass der Wirkstoff das überaktive Immunsystem dämpft, das die Melanozyten schädigt.
Die Voraussetzung für eine erfolgreiche Behandlung ist jedoch, dass der Wirkstoff über mehrere Monate hochdosiert eingesetzt wird. Trägt man Cortison jedoch über einen längeren Zeitraum auf, kann die Haut dünner werden. Besonders im Gesicht ist eine solche Veränderung für Patienten schwer akzeptabel. Daher greifen Ärzte häufig nur bei akuten Schüben oder dem akuten Krankheitsbeginn für kürzere Zeiträume auf cortisonhaltige Cremes zurück.
Die Cortison-Therapie kann mit einer Klimatherapie, aber auch mit der Phototherapie kombiniert werden.

Phototherapie 

Wenn die Weißfleckenkrankheit zahlreiche Hautareale an ganz unterschiedlichen Körperstellen betrifft, lässt sich mit Cremes meist kein zufriedenstellendes Behandlungsergebnis erzielen. Hier kann eine kontrollierte Phototherapie in der Hautarztpraxis sinnvoll sein. Dabei belichtet der Arzt die erkrankten Hautstellen mit UV-Licht bestimmter Wellenlänge. Ziel der Phototherapie ist es, die Bildung von neuem Hautpigment anzuregen. 

Bei dieser Therapie ist eine Behandlungsdauer von sechs bis zwölf Monaten erforderlich. Eine Repigmentierung gelingt dabei oftmals im Gesicht und am Körperstamm. Vitiligoherde an Händen oder Füßen sprechen dagegen seltener auf die phototherapeutische Behandlung an.

Lasertherapie

Zu den neueren Phototherapien bei Vitiligo gehört die Behandlung mit dem sogenannten Xenon-Chlorid-Excimer-Laser. Hier wird die Haut mit Licht einheitlicher Wellenlänge belichtet. Ziel der Lasertherapie ist es, wie auch bei der konventionellen Phototherapie, die Bildung von neuem Hautpigment anzuregen. Der Vorteil der Behandlung mit dem Xenon-Chlorid-Excimer-Laser besteht darin, dass dabei die Lichtstrahlung ganz gezielt nur auf die erkrankten Hautareale einwirkt. Allerdings ist die Behandlung nicht bei allen Patienten wirksam und wird von der gesetzlichen Krankenversicherung üblicherweise nicht bezahlt.

Auch diese Behandlungsmethode spricht nicht an allen Körperstellen gleich gut an. Während in der Körpermitte und im Gesicht bis zu 90 % Repigmentierung erreicht werden kann, ist dies an Unterarmen und Beinen nur bei 5 bis 30 % der Fall. Die Therapie erfolgt in der Regel ein- bis zweimal in der Woche über ein halbes oder ein ganzes Jahr. Insgesamt sind 20 bis 25 Sitzungen notwendig.

PUVA-Therapie

Eine weitere Behandlungsmethode bei Vitiligo ist die PUVA-Therapie. Dabei wird die Haut mit einer Substanz eingecremt, die die Lichtempfindlichkeit der Haut erhöht. Diese sogenannten Psorale gibt es in Tablettenform, als Creme oder als Badezusatz. Nach der Behandlung mit den Psoralen erfolgt die ärztlich kontrollierte Belichtung mit UV-A-Strahlen.
Bei 60 % der Patienten bessern sich unter dieser Art der Bestrahlung die Flecken im Gesicht und am Hals. Schlechter sind die Ergebnisse an Händen und Füßen. Die Therapie erfordert eine konsequente Belichtung zweimal wöchentlich. Ein erster Erfolg kann nach 30 bis 40 Behandlungen erwartet werden. In manchen Fällen sind aber auch 100 bis 300 Behandlungen nötig, um eine Repigmentierung zu erzielen.

Nachsorge

Da an den Hautstellen ohne Pigment mit erhöhter Wahrscheinlichkeit Hautkrebs entstehen kann, sollten Patienten mit Vitiligo ihre Haut regelmäßig beim Hautarzt auf Veränderungen hin kontrollieren lassen.

Vor allem ist bei der Weißfleckenkrankheit jedoch zu beachten, dass die betroffenen Hautstellen dem schädigenden UV-Licht schutzlos ausgesetzt sind, wenn sie an unbekleideten Hautbereichen auftreten. Im Gegensatz zur gesunden Haut bräunen sich die erkrankten Hautareale nicht, wenn sie der Sonne ausgesetzt waren.
Das kann nachweisbar zu einem höheren Risiko für die Entstehung von Hautkrebs führen, vor allem, wenn kein konsequenter Lichtschutz erfolgt. Geeignet sind Cremes mit hohem UV-B-Lichtschutzfaktor und zusätzlich sehr gutem Schutz vor UV-A sowie schützende Bekleidung. Längere Aufenthalte in der prallen Sonne sollten vermieden werden. Patienten mit Vitiligo sollten deshalb regelmäßige Termine zur Hautkrebsvorsorge unbedingt wahrnehmen. Dadurch können mögliche Hautveränderungen frühzeitig zu erkannt und gegebenenfalls behandelt werden.
Neben dem gesundheitlichen Risiko ist zudem zu bedenken, dass durch eine Bräunung der Haut der farbliche Unterschied zur umgebenden Haut noch größer wird – das heißt, die weißen Flecken fallen noch stärker auf als bei einem eher blassen Teint. 

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