Divertikulitis

Eine Divertikulitis ist eine Erkrankung, bei der sich säckchenförmige Ausstülpungen (sogenannte Divertikel) im Dick- oder Dünndarm entzünden. Darmdivertikel sind in der Bevölkerung recht häufig, besonders bei älteren Menschen: Ungefähr 30 % der 60-Jährigen sind davon betroffen, bei den über 85-Jährigen sind es sogar 65 %.

Neben der besonderen Anfälligkeit mit zunehmenden Alter neigen in den letzten Jahrzehnten auch vermehrt junge Menschen zu einer Divertikulose – so bezeichnet man das vermehrte Vorkommen von Darmdivertikeln. Experten schätzen, dass in Deutschland etwa 14 Millionen Menschen Divertikel haben – in den meisten Fällen jedoch ohne Beschwerden, denn Darmdivertikel an sich haben keinen Krankheitswert. Wenn die Divertikel sich jedoch entzünden, kann es zu Beschwerden wie Bauchschmerzen, Fieber, Verstopfung und Blähungen kommen.

Ursachen

Viele Patienten mit einer Divertikulitis leiden unter Verstopfung. Mediziner vermuten daher, dass eine ballaststoffarme Ernährung die Entstehung von Divertikeln begünstigt. Ballaststoffe stecken vor allem in Obst, Gemüse und Vollkornprodukten – deutlich weniger hingegen in den industriell gefertigten Weißmehlprodukten wie Brot und Brötchen, Pizza, Pommes Frites und anderen stark verarbeiteten Lebensmitteln. Für diese These spricht, dass die Zahl der Betroffenen an Divertikulitis in den letzten 100 Jahren nahezu exponentiell angestiegen ist – parallel zum Wandel der Ernährungsgewohnheiten.

Bei Verstopfung ist der Innendruck im Darm höher als bei weichem und geschmeidigem Stuhl. Dieser Druck und eine zunehmende Bindegewebsschwäche und Darmträgheit im Alter führen dazu, dass sich die Schleimhaut nach außen wölbt. Bleiben im Zuge einer Verstopfung dann Reste des Stuhls in diesen Aussackungen zurück, kann dieser so massiv eindicken, dass sogenannte „Kotsteine“ entstehen. Setzen sich diese fest, kommt es zu einer Reizung der Darmwand, wodurch Bakterien eindringen und somit eine Entzündung bzw. Divertikulitis begünstigen.

Daneben gelten auch Bewegungsmangel und Übergewicht sowie eine familiäre Disposition als Risikofaktoren für Divertikulitis.

Symptome und Komplikationen

Charakteristisch für eine Divertikulitis sind vor allem dumpfe und nicht-kolikartige Schmerzen, die meist im linken Unterbauch sitzen, da besonders häufig der absteigende untere Teil des Dickdarms betroffen ist – dieser liegt in der linken Bauchhälfte.
Weitere Divertikulitis-Symptome sind Verdauungsbeschwerden, wie Verstopfung und Durchfall, sowie Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen und Fieber.

Wird eine Divertikulitis nicht rechtzeitig entdeckt oder behandelt, besteht die Gefahr ernsthafter Komplikationen. So können zum Beispiel entzündete Divertikel aufbrechen und ein Abszess im Bauch entstehen. Die Entzündung kann sich dabei auf den Bauchraum ausdehnen und zu einer Bauchfellentzündung führen. Die entzündliche Schwellung der Darmwand kann zudem den Darm so verengen, dass der Darminhalt nicht mehr weitertransportiert werden kann – es kommt zu einem Darmverschluss. 

Mediziner unterscheiden verschiedene Formen beziehungsweise Stadien der Divertikulitis. Die Einteilung in die Stadien I bis III richtet sich nach der Schwere und Ausbreitung der Entzündung sowie den Beschwerden des Patienten:

In Stadium I (in etwa 75 % der Fälle) liegt eine akute unkomplizierte Divertikulitis vor. Dabei können die Divertikel zwar unangenehme Beschwerden verursachen, führen aber nicht zu weiteren Komplikationen und Schäden in der Darmwand. Fast immer ist hier eine konservative Therapie, also eine Behandlung ohne Operation, möglich. In Stadium II, bei einer akuten komplizierten Divertikulitis, bringen die entzündeten Ausstülpungen weitere Probleme mit sich, z.B. Abszesse, Fisteln, einen Darmverschluss oder ein Loch in der Darmwand. Dann ist meist eine Operation notwendig, um gravierende gesundheitliche Folgen zu vermeiden. Bei Menschen mit einer chronisch-rezidivierenden Divertikulitis entzünden sich die Divertikel immer wieder (Stadium III), sodass es zu dauerhaften Schäden in der Darmwand kommt. Die Betroffenen leiden unter wiederkehrenden Schmerzen, Verstopfung und anderen Symptomen. Auch in diesem Fall ist eine Operation unumgänglich.

Diagnose

Da eine Divertikulitis eine ernstzunehmende Krankheit ist, sollten Betroffene, bei denen die genannten Beschwerden gehäuft und wiederkehrend auftreten, zeitnah einen Gastroenterologen, oder Proktologen aufsuchen. Wichtige Hinweise für die Diagnose einer Divertikulitis erhält der Facharzt aus der Krankengeschichte.
Bei der darauf folgenden körperlichen Untersuchung kann er mitunter die wegen der Entzündung miteinander verwachsenen Divertikel als eine Art „Walze" im linken Unterbauch ertasten, die bei Berührung Schmerzen verursacht. Mithilfe einer Blut-Untersuchungen lassen sich eventuell Anzeichen für eine Entzündung in Form erhöhter Entzündungswerte finden. Dazu zählen zum Beispiel eine erhöhte Anzahl weißer Blutkörperchen, ein erhöhter CRP-Wert oder eine beschleunigte Blutsenkung.
Mittels Ultraschall, Computer- oder Magnetresonanztomografie können die entzündeten Divertikel dann genauer lokalisiert werden. Eine Röntgenuntersuchung des Bauchs kann ebenfalls sinnvoll sein, da sich auf diese Weise relativ rasch ermitteln lässt, ob es bereits zu einem Darmwanddurchbruch gekommen ist. Ist ein solcher Darmwanddurchbruch eingetreten, muss unverzüglich operiert werden.

Behandlung

Konservative Therapie

Die Divertikulitis-Therapie richtet sich nach den vom Patienten angegebenen Beschwerden und nach dem Ausmaß der Entzündung. Divertikel, die keine Beschwerden verursachen, müssen nicht behandelt werden. Eine unkomplizierte Divertikulitis lässt sich akut mit Maßnahmen wie Fasten und flüssiger Kost, langfristig mit einer ballaststoffreichen Ernährung und regelmäßiger, körperlicher Bewegung in den Griff bekommen. Auch Antibiotika oder entzündungshemmende Wirkstoffe können bei einer Divertikulitis zum Einsatz kommen. Außerdem unterstützen bei Schmerzen krampflösende Präparate die Divertikulitis-Behandlung. Die Behandlung kann ambulant durchgeführt werden, jedoch ist hierbei eine engmaschige ärztliche Kontrolle  erforderlich. 

Patienten mit einer Divertikulitis, die starke Schmerzen oder Fieber haben, werden stationär im Krankenhaus behandelt. In vielen Fällen dürfen sie keine Nahrung zu sich nehmen. Stattdessen erhalten sie Infusionen und Antibiotika. Häufig gelingt die Divertikulitis-Therapie in diesem frühen Stadium ohne Operation. Bessern sich die Beschwerden, beginnt nach etwa zwei bis drei Tagen der Kostaufbau.

Operation

Bei einer ausgeprägten Divertikulitis oder bei Komplikationen, zum Beispiel bei einem Darmwanddurchbruch oder einer Verengung des Darms, wird eine Operation zeitnah notwendig. In anderen Fällen planen Ärzte die Operation erst, nachdem die Entzündung abgeklungen ist, also etwa sechs bis acht Wochen nach Beginn der Antibiotika-Therapie.
Hat sich im Bauch ein Abszess gebildet, wird er im Rahmen der Divertikulitis-Therapie – je nachdem, wo genau er liegt – mit einer Nadel punktiert und der Eiter abgelassen.

Wenn ein oder mehrere Divertikel geplatzt sind, muss das betroffene Darmstück so schnell wie möglich entfernt werden, da sonst die Gefahr besteht, dass sich das gesamte Bauchfell entzündet. Eine chronisch-rezidivierende Divertikulitis (Stadium III) sollte ebenfalls operiert werden.

Für die Divertikulitis-OP ist ein Bauchschnitt erforderlich. In einigen Kliniken entfernen Chirurgen den kranken Darm auch im Rahmen einer Bauchspiegelung. Bei dieser sogenannten laparoskopisch-assistierten Technik ist trotzdem ein kleiner Bauchschnitt nötig – anders als bei einer rein laparoskopischen Operation. Bei dem Eingriff wird der Darmabschnitt mit den entzündeten Divertikeln entfernt und die verbleibenden Darmenden wieder aneinander genäht.
Im Zuge einer geplanten, das heißt nicht-notfallmäßigen Operation, ist es heute in der Regel nicht notwendig, einen künstlichen Darmausgang zu legen. Sind ein oder mehrere Divertikel durchgebrochen und besteht eine Bauchfellentzündung, muss jedoch notoperiert werden. Gelegentlich kann dann die Anlage eines künstlichen Darmausganges (in der Regel vorübergehend) erforderlich sein.

Nachbehandlung

Mit absoluter Sicherheit kann man Divertikeln im Darm nicht vorbeugen und leider ist nach einer überstandenen Divertikulitis die Gefahr auch relativ hoch, dass sich Divertikel erneut entzünden: Bei etwa 30 % der Patienten kommt es nach einer ersten Entzündung zu einer weiteren Divertikulitis.
Viele Untersuchungen haben jedoch gezeigt, dass Darmdivertikel durch eine ballaststoffreiche Ernährung mit Obst, Gemüse und Vollkornprodukten, dafür mit weniger Zucker, tierischen Erzeugnissen wie Fleisch, Wurst oder Eiern und Weißmehlprodukten, seltener auftreten.
Die Konsultation eines Ernährungsmediziners hilft Betroffenen dabei einen ausgewogenen und für ihre Erkrankung geeigneten Ernährungsplan zu erstellen und einem erneuten Auftreten bestmöglich vorzubeugen. Ausreichendes Trinken (mindestens zwei Liter am Tag, am besten Mineralwasser oder Kräutertee) und regelmäßige körperliche Bewegung, am besten zwei bis dreimal in der Woche jeweils mindestens 30 Minuten, beeinflussen die Darmtätigkeit zusätzlich positiv.

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