Grüner Star (Glaukom)

Der sogenannte Grüne Star ist ein Überbegriff für Augenerkrankungen bei der sowohl Sehnerv, als auch Netzhaut geschädigt werden. Meist ist hierfür ein erhöhter Augeninnendruck verantwortlich, der ohne Behandlung irreversible Schäden am Auge als auch am Sehnerv hervorrufen kann. Wird eine Beeinträchtigung des Gesichtsfeldes wahrgenommen, so ist das Glaukom meist schon weit fortgeschritten und bedarf zeitnaher Behandlung beim Facharzt.

Grüner Star (Glaukom) ist ein Sammelbegriff für verschiedene Augenkrankheiten, die im fortgeschrittenen Stadium die Nervenzellen der lichtempfindlichen Netzhaut sowie den Sehnerv schädigen. Ein Grüner Star tritt meist erst nach dem 40. Lebensjahr auf, die Häufigkeit nimmt mit steigendem Lebensalter zu und kann ohne Behandlung zur Erblindung führen. Die Augenerkrankung kann jedoch auch angeboren sein. Frauen sind öfter von einem Glaukom betroffen als Männer. In Deutschland leiden rund 500.000 Menschen an erhöhtem Augeninnendruck bzw. an einem Grünen Star, etwa 10 % davon drohen daran zu erblinden.

Vier verschiedene Formen des Grünen Stars

Grüner Star kann in verschiedenen Formen auftreten. Augenärzte unterteilen die Varianten entsprechend der Anatomie und der Glaukom-Ursachen in vier große Gruppen:

Das primäre Offenwinkelglaukom entsteht, wenn der Abfluss von Kammerwasser durch Ablagerungen (Plaques) gestört wird. Ein Offenwinkelglaukom ist die häufigste Form von Grünem Star bei älteren Menschen.

Beim Engwinkelglaukom ist die vordere Augenkammer der Betroffenen – meist anlagebedingt – so flach, dass die Regenbogenhaut der Iris den Kammerwinkel stark verengt oder sogar blockiert. Dies geschieht vor allem dann, wenn die Pupille durch Dunkelheit oder durch die Wirkung von Medikamenten (oder Drogen) geweitet wird und sich die Regenbogenhaut im Kammerwinkel „auffaltet“. Der Abfluss des Kammerwassers wird also behindert oder sogar komplett unterbunden (Winkelblock-Glaukom). Tritt diese Abflussstörung anfallsweise auf, äußert sie sich als Glaukomanfall – ein augenärztlicher Notfall. 

Ein Offenwinkelglaukom tritt häufiger auf und hat meistens einen chronischen Verlauf, ein Engwinkelglaukom  kann akute Krankheitsbilder mit starken Schmerzen, Rötung und Sehstörungen des betroffenen Auges auslösen. Häufig kommt es auch zu ausgeprägten Begleitsymptomen wie Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen. Wegen Erblindungsgefahr ist das immer eine Notlage, die umgehend in die Hand des Augenarztes gehört.

Tritt ein Grüner Star beim Neugeborenen oder Kleinkind auf, handelt es sich in der Regel um ein primäres, angeborenes Glaukom – eine Fehlentwicklung des Kammerwinkels, der deshalb das im Auge gebildete Kammerwasser nicht ausreichend ableiten kann. Das primäre angeborene Glaukom ist jedoch selten.

Sekundäres, erworbenes Glaukom heißt ein Grüner Star, wenn andere Krankheiten, Entzündungen oder Verletzungen für die Abflussstörung des Kammerwassers verantwortlich sind. So können etwa veränderte Blutgefäße, Vernarbungen oder Entzündungszellen den Kammerwinkel teilweise oder schließlich auch komplett blockieren.
Die häufigste Form aller sekundären Glaukome ist das Kapselhäutchen- oder Pseudoexfoliationsglaukom (PEX-Glaukom). Dabei lagern sich feinste Eiweißpartikel auf allen Strukturen des vorderen Augenabschnittes ab, so auch auf der Linse und auf dem Pupillenrand. Zugrunde liegt eine erbliche Störung der faserigen Elemente des Bindegewebes. Da ein PEX-Glaukom rasch fortschreiten kann, kommt es ganz entscheidend auf die frühzeitige Diagnose und Behandlung an. Dann lässt sich das Krankheitsbild auch häufig zufriedenstellend in den Griff bekommen.

Symptome

In der Mehrzahl der Fälle geht Grüner Star mit einem erhöhten Druck im Augapfel einher. Dieser entsteht, wenn in der vorderen Augenkammer, wo sich die Augenlinse befindet, mehr Kammerwasser gebildet wird, als über das Abflusssystem im Kammerwinkel abgeleitet werden kann. Der ständige Austausch von Kammerwasser ist für die Funktion des Auges wichtig. Das Kammerwasser trägt Nährstoffe und Sauerstoff an die Linse und die Hornhaut, die keine eigenen Blutgefäße haben. Zudem dient das Kammerwasser als optisches Medium. Staut es sich in der vorderen Augenkammer, steigt der Druck im Auge. Durch den erhöhten Druck werden Blutversorgung und Nährung der empfindlichen Nervenzellen gestört. 

Typisches Zeichen des Glaukomschadens ist eine Sehstörung, bei der das Gesichtsfeld von außen eingeengt ist. Es sind aber auch Ausfälle zur Blickmitte hin möglich.
Wenn sich ein Glaukom erstmals bemerkbar macht, ist es in der Regel schon fortgeschritten, weshalb eine zeitnahe Therapie essentiell ist. 

Geht ein Grüner Star mit einem erhöhten Augeninnendruck einher, können auch allgemeine Krankheitssymptome auftreten. Vor allem beim Glaukomanfall – also einem plötzlichen Druckanstieg– sind dies häufig sehr starke Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen, manchmal auch Herzrhythmusstörungen und Kollaps. 

Ursachen

Der wichtigste Risikofaktor für das Auftreten eines Glaukoms ist der Augeninnendruck. Je höher der Augeninnendruck ist, desto wahrscheinlicher ist es, dass der Sehnerv geschädigt wird. 

Patienten, die unter Diabetes mellitus und andere Stoffwechselerkrankungen leiden, erkranken häufiger an einem Glaukom. Ebenso kann ein zu niedriger, ein chronisch zu hoher oder stark schwankender Blutdruck ursächlich an einem Glaukom mitbeteiligt sein. Auch bei Patienten, die wegen Rheuma oder Allergien über längere Zeit Kortison-Präparate einnehmen müssen, kommt das Glaukom häufiger vor. Weitere Risikofaktoren sind ein Alter über sechzig Jahre und Fehlsichtigkeit wie höhergradige Kurzsichtigkeit. Erhöht ist das Risiko auch, wenn schon Eltern oder Geschwister betroffen sind. Ist ein Auge am Glaukom erkrankt, so neigt das andere ebenfalls dazu. 

Diagnose

Da sich ein Glaukom häufig erst bemerkbar macht, wenn es bereits weit fortgeschritten ist, ist die Früherkennung wichtig. Das bedeutet: Ab einem Alter von 40 Jahren sollte der Augeninnendruck alle ein bis maximal zwei Jahre kontrolliert werden. Ist ein Glaukom in der Familie bekannt, wird die Vorsorge schon ab 35 Jahren und auf jeden Fall jährlich empfohlen. Dies gilt auch, wenn ein Diabetes vorliegt oder ein Auge schwerer verletzt oder entzündet war.

Die Früherkennungsuntersuchung umfasst einen Sehtest, die Messung des Augeninnendrucks und die Augenspiegelung zur Überprüfung der Netzhaut und des Sehnervenkopfes. Manchmal sind noch weitere Untersuchungen nötig, um eine sichere Diagnose zu stellen.

Der Augeninnendruck wird mit einem sogenannten Applanationstonometer gemessen. Das Gerät bestimmt, wie viel Druck erforderlich ist, um einen bestimmten Bereich der gewölbten Hornhaut des Auges zu verformen. Je höher der Augeninnendruck, desto höher die Kraft, die dafür aufgewendet werden muss. Die Maßeinheit für den Druck im Augapfel ist „Millimeter Quecksilbersäule“ (mmHg), dieselbe Einheit, die zum Beispiel auch für den Blutdruck verwendet wird. Normalwerte für den Augeninnendruck liegen zwischen 10 und 21 mmHg und können im Tagesverlauf um etwa 5 mmHg schwanken – die höchsten Werte treten nachts und in den frühen Morgenstunden auf. Beim Glaukom liegen die Werte bei der Mehrzahl der Betroffenen oberhalb dieses Wertes, im Extremfall (Glaukomanfall) manchmal sogar mehr als doppelt so hoch. Bei älteren Menschen ist der Druck im Auge oft höher, ohne dass dies gleich bedeuten muss, dass ein Grüner Star vorliegt. Das Messergebnis wird auch durch die Dicke der Hornhaut beeinflusst, die deshalb durch eine weitere Untersuchung auch bestimmt werden sollte. 

Mit einer Spiegelung des Augenhintergrunds kann der Augenarzt den Zustand der Netzhaut, ihrer Blutgefäße, sowie des Sehnervenkopfes beurteilen. Das dazu verwendete Ophthalmoskop ist eine Mischung aus Lupe und Lichtquelle. Damit der Arzt einen möglichst großen Ausschnitt des Augenhintergrunds betrachten kann, erhält der Patient kurz vor der Untersuchung spezielle, die Pupille erweiternde Augentropfen. Die Ophthalmoskopie ist für die Diagnose des Grünen Stars besonders aufschlussreich, denn mit dieser Untersuchung sind Glaukom-Schäden und das Krankheitsstadium direkt sichtbar.

Behandlung

Je länger ein Grüner Star besteht, desto schneller schreitet die Krankheit fort. Bei Menschen mit bereits bestehendem Glaukom oder bekannten Risikofaktoren für Grünen Star sind regelmäßige Kontrolluntersuchungen beim Augenarzt deshalb besonders wichtig. Nur so kann der Augenarzt drohende Augenschäden früh erkennen und rechtzeitig eine entsprechende Behandlung einleiten.

Ziel der Glaukom-Behandlung ist eine dauerhafte Absenkung des Drucks im Augapfel unter den kritischen Wert, damit wieder genug Blut zu den Zellen der Netzhaut und des Sehnerven fließen kann.

Behandlung mit Medikamenten

Die medikamentöse Behandlung ist die häufigste Therapieform beim Glaukom. Es gibt verschiedene augendrucksenkende Arzneien: Einerseits können Wirkstoffe eingesetzt werden, die die Bildung von Kammerwasser drosseln. Auf der anderen Seite kommen Substanzen zum Einsatz, die den Abfluss des Kammerwassers verbessern sollen. Glaukom-Medikamente gibt es als Tabletten, Tropfen, Augentropfen oder Injektionslösungen.
In manchen Fällen von Grünem Star setzt der Arzt verschiedene Präparate auch in Kombination ein. So können sich zum Beispiel eine verminderte Produktion von Kammerwasser und ein besserer Abfluss desselben zu einer ausreichenden Wirkung ergänzen. Die Wahl der Medikamente, ihre Dosierung und mögliche Kombinationen stimmt der Arzt auf die individuelle Glaukom-Art ab. Ausgeprägte Nebenwirkungen von drucksenkenden Augentropfen sind erfreulicherweise selten. Die meisten Patienten vertragen die Medikamente sehr gut.

Operative Behandlung

Wenn Medikamente zur Behandlung eines Glaukoms den Augeninnendruck nicht ausreichend und zuverlässig senken können, wird eine Operation erforderlich. Manchmal können sich die beiden Glaukom-Therapien auch ergänzen. So werden etwa bei einem Glaukomanfall zunächst Medikamente zur akuten Druckentlastung eingesetzt und das Auge erst dann operiert. Am häufigsten werden dabei sogenannte fistulierende Eingriffe, auch Filtrationsoperationen genannt, und die Laser-Trabekuloplastik durchgeführt.

Ziel einer Filtrationsoperation ist es, dem Kammerwasser einen künstlichen Abflussweg unter die Bindehaut zu bahnen. Dazu wird im schwammartigen Gewebe des Kammerwinkels, dem Trabekelwerk, eine Öffnung zur vorderen Augenkammer hin angelegt. Das Kammerwasser kann so aus der vorderen Augenkammer nach außen zur Bindehaut absickern; dort wird es über die großen Gefäße der Bindehaut abgeleitet. Die Operation erfolgt unter örtlicher Betäubung, dauert etwa 30 Minuten und kann oft auch ambulant durchgeführt werden. Mithilfe dieser Operationsmethode werden die niedrigsten Augeninnendruckwerte erzielt. 

Bei der Laser-Trabekuloplastik wird ein Argonlaser gezielt an vielen Stellen auf das siebartige Geflecht im Kammerwinkel (Trabekel) gerichtet. Die dabei entstehenden Narben weiten es durch Zug, was den Abfluss des Kammerwassers verbessert und den Innendruck im Auge senkt. Die Methode wird vor allem bei Patienten mit einem Offenwinkelglaukom angewendet. Im Idealfall lässt sich der Druck im Auge damit um circa 20 % absenken. Der Eingriff wird unter lokaler Betäubung durchgeführt und dauert circa 60 Minuten. 

Nachsorge

Am Folgetag der Operation wird vom Augenarzt eine Kontrolluntersuchung mit Sehtest und Augendruckbestimmung durchgeführt.
Mit dem jeweiligen operierten Auge sollte der Patient besonders vorsichtig umgehen. Körperliche Anstrengungen sind zu vermeiden. Vom Augenarzt verordnete Augentropfen und Medikamente sollten wie besprochen angewendet werden.

Insbesondere nach einer Glaukom-Operation ist die regelmäßige Kontrolle des Augeninnendruckes und des Sehnervs wichtig, um ein Wiederauftreten der Erkrankung rechtzeitig zu erkennen. Daher sollten regelmäßige Kontrolluntersuchungen wahrgenommen werden.

Ergebnisse

Die Erfolgsaussichten einer Glaukom-Therapie sind von der Art des Glaukoms und dem vorgenommenen Eingriff abhängig. Bei guter Auswahl des Verfahrens ist in vielen Fällen eine Absenkung des Augendruckes und ein Aufhalten der Schäden möglich. Dennoch kann es vorkommen, dass ein Grüner Star nicht erfolgreich bekämpft werden kann und die Operation wiederholt werden muss. Oft muss dann auch ein anderes Verfahren zum Einsatz kommen. Ist der Sehnerv erst beeinträchtigt worden und machen sich Gesichtsfeldausfälle bemerkbar, so sind diese Schädigungen leider irreversibel.

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