Heuschnupfen

Heuschnupfen ist eine der häufigsten allergischen Erkrankungen überhaupt. Allein in Deutschland leidet jeder fünfte Mensch daran. Betroffene haben vor allem mit laufenden Nasen, Niesanfällen und juckenden Augen zu kämpfen, was die Lebensqualität enorm einschränken kann. Heute bieten sich effektive Behandlungsmöglichkeiten, die Symptome deutlich zu lindern und die Lebensqualität der Betroffenen deutlich zu verbessern.

Die Bezeichnung allergischer Schnupfen ist ein Oberbegriff für alle allergischen Schnupfenarten, die durch Allergene in der Luft ausgelöst werden. Als Heuschnupfen wird allergischer Schnupfen durch Pflanzenpollen (kleinste Blütenstaubteilchen von Bäumen, Gräsern und Kräutern in der Luft) bezeichnet. Dabei reagiert das Immunsystem des Körpers übermäßig auf eigentlich harmlose Substanzen – auf Eiweiße dieser Pflanzenpollen. Deshalb bezeichnet man den Heuschnupfen auch als Pollenallergie, Pollinose oder saisonale allergische Rhinitis. Saisonal deswegen, weil die verschiedenen Pollen, die Heuschnupfen auslösen können, nicht ganzjährig, sondern nur während der Blütezeit der jeweiligen Pflanzen in der Luft vorhanden sind. 

Hauptsaison für Heuschnupfen sind die Monate April bis August. Bei klarem und mildem Wetter können Spätblüherpollen aber auch noch bis September oder Oktober aktiv sein und Allergikern Beschwerden bereiten. Oder es schwärmen bereits im Februar oder März die ersten Frühblüherpollen aus. Entsprechend allergische Menschen haben manchmal sogar schon im Dezember oder Januar erste Heuschnupfensymptome.

Symptomatik

Niesattacken, Fließschnupfen und verstopfte oder laufende Nase, juckende, brennende oder tränende Augen und geschwollene Augenlider sind die kennzeichnenden Symptome eines allergischen Schnupfens. Viele Betroffene leiden außerdem an einem unangenehmen Juckreiz oder an einem Brennen im Hals, an der Rachenschleimhaut. Auch neigen manche Patienten mit allergischem Schnupfen zu Entzündungen im Hals-Nasen-Ohren-Bereich, etwa in den Nasennebenhöhlen: Mitunter reagieren die Schleimhäute hier auf verschiedene Reize, etwa Luftschadstoffe und Pollen, besonders empfindlich. Schwellungen können den Sekretfluss und die Belüftung behindern. Das begünstigt wiederum Infektionen, die Betroffene zusätzlich zu schaffen machen.

Ursachen und Krankheitsverlauf

Heuschnupfen stellt eine überempfindliche Reaktion des menschlichen Abwehrsystems gegen bestimmte Eiweiße dar, die in Blütenpollen enthalten sind. Das Immunsystem von Heuschnupfen-Patienten stuft Polleneiweiß irrtümlich als Krankheitserreger ein, den es zu bekämpfen versucht.
Sobald das Polleneiweiß von Abwehrzellen im Körper entdeckt wird, erfolgt die Ausschüttung von Entzündungsbotenstoffen. Da das Polleneiweiß vornehmlich über die Augen-, Nasen- und Rachenschleimhäute in den Körper des Patienten gelangt, sind vor allem diese Körperregionen bei Heuschnupfen betroffen und es entwickeln sich die typischen Heuschnupfen-Symptome wie Nies- und Juckreiz, laufende oder verstopfte Nase sowie tränende Augen.

Die allergische Reaktionsbereitschaft kann genetisch veranlagt sein. Das heißt zwar nicht, dass jedes Kind von Allergiker-Eltern selbst auch unter Allergien leiden wird, aber das Risiko dafür ist erhöht: Wenn kein Familienmitglied Allergiker ist, haben Kinder ein Allergierisiko von etwa 5 bis 15 %. Wenn ein Elternteil oder Geschwisterkind Allergiker ist, beträgt das Risiko etwa 25 bis 30 %. Wenn beide Eltern allergisch sind, entwickelt das Kind mit einer Wahrscheinlichkeit von etwa 40 bis 60 % ebenfalls eine Allergie. Wenn beide Eltern die gleiche Allergie haben, beträgt das Allergierisiko des Kindes etwa 60 bis 80 %.

Möglicherweise spielt bei der Entstehung von Heuschnupfen (oder einer anderen Allergie) auch eine Rolle, wie stark das Immunsystem während der Kindheit gefordert wird.
Mediziner gehen davon aus, dass bei sehr ausgeprägter Hygiene in der Kindheit das Immunsystem unterfordert ist und es deswegen plötzlich auch gegen harmlose Substanzen vorgeht. So leiden Kinder, die mit Geschwistern aufwachsen, oder eine Kinderkrippe besuchen, später seltener unter Allergien, wie Beobachtungen zeigen. Auch Kinder, die in ländlicher Umgebung aufwachsen, weisen ein niedrigeres Allergierisiko auf. Der Kontakt mit vielen anderen Menschen (anderen Kindern) und einer nicht sterilen Umgebung, könnte eine Art „Training“ für das Immunsystem sein, während eine zu ausgeprägte Hygiene die Abwehrkräfte unterfordert und so die Entstehung einer Allergie begünstigt. 

Stoffe in der Umgebungsluft, die die Atemwege reizen, können ebenfalls zur Entstehung von Heuschnupfen oder einer anderen Allergie und Asthma beitragen. So haben Kinder, die bei rauchenden Eltern aufwachsen, ein stark erhöhtes Risiko, später Allergien zu entwickeln. 

Diagnose

Mithilfe moderner Behandlungsmethoden ist Heuschnupfen in den meisten Fällen gut zu therapieren. Er sollte jedoch bei Erkennung zeitnah von einem Allergologen behandelt werden, bevor er weitere Erkrankungen auslöst oder verschlimmert, denn oft ist bei gelegentlichem Niesreiz und einer laufenden Nase noch nicht Schluss.
Überdurchschnittlich häufig treten bei Heuschnupfenpatienten außerdem Entzündungen im Hals-, Nasen- und Ohrenbereich auf, die in einigen Fällen durchaus mit Antibiotika behandelt werden müssen. Die Symptome der Pollenallergie können sich bei Nicht-Behandlung auf die Bronchien der Betroffenen ausweiten und sogar in Bronchialasthma übergehen (sogenannter Etagenwechsel). Darüber hinaus können Pollenallergie-Patienten auch Kreuzallergien gegen Eiweiße, die in bestimmten Lebensmitteln enthalten sind, entwickeln – das liegt an einer Ähnlichkeit der Eiweißstoffe. Auch Hautkrankheiten können sich wesentlich verschlimmern, da auch über die Haut Pollenpartikel aufgenommen werden. Sogar Lebensmittelallergien können aus einem ursprünglich “harmlosen” Heuschnupfen entstehen. 

Zunächst erhebt der Allergologe die Krankheitsgeschichte (Anamnese) und informiert sich über Lebensumstände, Ernährungsgewohnheiten und das berufliche Umfeld. Hier sind die Aufmerksamkeit und Beobachtungsgabe der Allergiker gefragt: Zu welcher Jahreszeit treten die Symptome auf? Gibt es besondere Situationen, die sich mit den Beschwerden in Verbindung bringen lassen? Nach dem Erfassen der Krankheitsgeschichte folgen Allergietests in Form von Haut- und Bluttests. Manchmal wird auch ein sogenannter Provokationstest eingesetzt, bei dem der Arzt den Betroffenen direkt mit dem Allergen auf der Nasen- oder Lungenschleimhaut konfrontiert.

Der Pricktest ist der am häufigsten praktizierte allergologische Hauttest. Dabei werden an mehreren Stellen (meist an der Vorderseite der Unterarme) verschiedene standardisierte Lösungen mit Allergenen (etwa mit Eiweißen von Birkenpollen, Haselpollen etc.) lokal aufgetragen.
Im Anschluss wird die Haut im Bereich der Lösung mit einer feinen Nadel minimal verletzt. Nach einigen Minuten wird die Reaktion der Haut begutachtet. Man kann nun sehen, welche Allergene eine Allergie auslösende Wirkung haben können.
Meist zeigt sich eine Sensibilisierung als Rötung oder Quaddel. Zur Vergleichskontrolle wird außerdem mit einer Kochsalzlösung (soll keine Reaktion ergeben: Negativ-Kontrolle) und mit Histamin (hier ist eine Reaktion in Form einer Quaddel zu erwarten: Positiv-Kontrolle) getestet. Das Ergebnis des Pricktests wird in Millimetern abgelesen: Ein mittlerer Durchmesser von ≧ 3 mm der entstandenen Hautquaddel oder eine Quaddeloberfläche von ≧ 9 mm² gilt als positive Reaktion.

Drei Tage vor dem Hauttest sollten die betroffenen Patienten nach Rücksprache mit ihrem Hausarzt Medikamente, die allergische Reaktionen unterdrücken, zum Beispiel Antihistaminika oder Kortison, absetzen. 

Wenn der Pricktest keine eindeutigen Ergebnisse zur Pollenallergie liefert oder als weitere Diagnosemethode gibt es auch die Möglichkeit, das Immunglobulin E (IgE)im Blut zu bestimmen, zunächst durch die Bestimmung des Gesamt-IgE. Das IgE ist die Stoffgruppe der Allergie-Antikörper, die sich im Blut von Allergikern finden.
Wenn das Gesamt-IgE im Vergleich zum Normalwert deutlich erhöht ist, ist es sehr wahrscheinlich, dass eine Allergie vorliegt. Worauf der Patient allergisch reagiert, muss in diesem Fall jedoch noch abgeklärt werden. Der nächste Schritt ist die Bestimmung des spezifischen IgE im Blut. Dies nennt man RAST (Radio-Allergo-Sorbens-Test). Mit dem RAST kann man die für verschiedene Allergene ganz spezifischen IgE-Antikörper im Blut bestimmen, die sich als Immunantwort auf diese Allergene gebildet haben. In der Regel bestimmt man ein paar verdächtige Allergengruppen, z.B. Frühblüher und Gräser. Ergänzend zum Pricktest und zum RAST-Bluttest kann man zusätzliche Provokationstestungen mit Allergenlösungen durchführen.

Der wichtigste Provokationstest ist der nasale Provokationstest, denn die Nase ist das „Hauptempfangsorgan„ für die Allergene in der Luft und ist oft als erstes allergisch sensibilisiert.
Dazu sprüht man das speziell standardisierte Allergenextrakt als Nasenspray direkt auf die Schleimhaut im Bereich der Nasenmuscheln auf.
Nach 15 Minuten misst man dann die Luftdurchgängigkeit der Nase durch eine Rhinomanometrie. Wenn der Test positiv ausfällt, schwellen die Nasenschleimhäute an, es kommt zu einer rhinomanometrisch messbaren Verminderung der Luftdurchgängigkeit der Nase. Man erkennt das positive Testergebnis oft schon daran, dass typische Allergiesymptome auftreten: Naselaufen, Juckreiz oder Niesen.

Mit dem nasalen Provokationstest überprüft man so die Relevanz von positiven Allergenen. Leider kann mit diesem Test meist jeweils nur ein Allergen pro Tag getestet werden. 

Therapie

Hyposensibilisierung

Die Hyposensibilisierung (auch Desensibilisierung oder „Spezifische Immuntherapie“, SIT) ist die einzige derzeit verfügbare Behandlung, die ursächlich, also an der gestörten Toleranz des Immunsystems gegenüber einem Allergen, ansetzt.
Die Voraussetzung für eine erfolgreiche Therapie ist die genaue Diagnose. Nur, wenn das auslösende Allergen konkret ermittelt wurde, lässt sich auch konkret dagegen desensibilisieren.  Die Behandlung kann subkutan (in Form einer Injektion unter die Haut) oder sublingual (als Einnahme einer flüssigen Lösung unter die Zunge oder als Tablette, die sich unter der Zunge auflöst), erfolgen. Die Allergene bleiben hier jeweils kurz unter der Zunge und werden dann geschluckt. 

Pollenallergiker beginnen die SIT normalerweise in der pollenfreien Zeit im Herbst. Man beginnt mit einer sehr geringen Dosis des Allergens und steigert diese, bis die höchste verträgliche Dosis erreicht ist. Diese wird vom behandelnden Allergologen in einzelnen Dosen in gewissen Zeitabständen (Erhaltungsdosis) injiziert. Jedoch bieten neue Entwicklungen auch die Möglichkeit gereinigte und speziell modifizierte Allergenlösungen ohne Steigerungsintervall innerhalb eines Tages in der Höhe der Erhaltungsdosis zu applizieren. Die Einleitungsphase kann sich über mehrere Monate hinziehen. Wie viel Zeit eine Hyposensibilisierung im individuellen Fall in Anspruch nimmt, hängt von der individuellen Situation und dem verwendeten Präparat ab. In der Zeit des Pollenfluges sollte die Dosis nicht gesteigert, nötigenfalls reduziert oder ausgesetzt werden. 

Durch die wiederholten Injektionen kann sich das Immunsystem an das Allergen gewöhnen und die Beschwerden bessern sich oder verschwinden sogar ganz. Wenn der Betroffene keine Beschwerden mehr hat oder diese auf dem erreichten niedrigen Level bleiben, sollte die Therapie nicht sofort abgesetzt werden um eine langanhaltende Toleranzentwicklung zu garantieren. Tritt die Allergie wieder auf, kann die Behandlung gegebenenfalls wiederholt werden. 

Die Wirkung von SIT kann bis zu 16 Jahre anhalten. Die Erfolgsquote liegt bei 85 %. In Fällen, wo es trotz erfolgter SIT erneut zu einer allergischen Reaktion kommt, sollte man erwägen, die Desensibilisierung zu wiederholen. 

Kinder können frühestens ab dem vollendeten fünften Lebensjahr hyposensibilisiert werden. Die Desensibilisierung kann nachweislich das Risiko des häufigen Übergangs eines Heuschnupfens in ein Allergisches Asthma reduzieren.

Im Zuge der Therapie kann es zu leichteren allergischen Reaktionen kommen, auch direkt im Anschluss der Behandlung. Es ist deshalb wichtig, dass die Patienten im Anschluss an die Behandlung ca. 30 Minuten in der Arztpraxis bleiben, um eventuelle allergische Reaktionen rechtzeitig behandeln zu können. Wird die Behandlung von vornherein als risikoreich eingestuft, erfolgt die Ersttherapie grundsätzlich stationär. Anstrengungen vor und nach der Hyposensibilisierung sind zu vermeiden, weil allein schon körperliche Belastung allergische Reaktionen auslösen kann. 

Eine Desensibilisierung ist bei ausgeprägtem Asthma oder unter der Einnahme bestimmter Medikamente, beispielsweise Betablocker, nur unter Vorsicht zu empfehlen und sollte deshalb nur in enger Absprache mit dem Allergologen stattfinden. Denn bei einer möglichen stärkeren allergischen Reaktion des Körpers könnte das wichtige Notfallmedikament Adrenalin hier nicht richtig wirken und es droht ein Allergieschock. 

Auch wer an einer Autoimmunerkrankung oder einer Immunschwäche leidet, kommt für die Therapie meist nicht in Betracht. Auch während der Schwangerschaft sollte keine Hyposensibilisierung begonnen werden. Gegen die Fortsetzung einer problemlos laufenden SIT spricht in diesem Fall jedoch nichts. Um das Risiko einer allergischen Reaktion besonders gering zu halten, sollte die Dosis während der Schwangerschaft jedoch nicht erhöht werden.

Weitere Informationen zum Thema Hyposensibilisierung finden Sie hier.

Bei einer Pollenallergie gibt es außerdem die Möglichkeit einer Kurzzeittherapie über wenige Wochen oder sogar nur für eine Woche vor dem Pollenflug durchzuführen. Hier erfolgt der Dosisaufbau sehr schnell. Diese Art der Therapie sollte in den beiden folgenden Jahren jeweils vor der Pollensaison wiederholt werden, um das Ergebnis zu stabilisieren.

Symptomatische Behandlung

Eine symptomatische Bekämpfung von Heuschnupfenbeschwerden ist schließlich auch durch den Einsatz von Arzneimitteln möglich: Sogenannte Mastzellstabilisatoren (Cromone) wirken durch die Hemmung von Entzündungsmediatoren und verhindern damit die entzündliche und somit allergische Reaktion. Die Medikamente werden direkt auf die Nasenschleimhaut gesprüht oder in die Augen geträufelt. Ihre volle Wirkung erreichen sie aber erst nach ein bis zwei Wochen, sodass sie bei akuten Beschwerden nicht helfen, sondern sich nur als vorbeugende Behandlung bei einem leichten allergischen Schnupfen eignen. 

Während der Heuschnupfenzeit täglich anzuwendende Antihistaminika in Form von Salben, Tabletten oder Augen- bzw. Nasentropfen verhindern eine Histaminausschüttung des Organismus und hiermit auch histaminbedingte Beschwerden.

Als weiteres Symptomatikum findet zudem Kortison Anwendung. Moderne Kortisonsprays wirken in der Regel fast ausschließlich auf die Nasenschleimhaut, weshalb systemische Nebenwirkungen bei diesen Präparaten nicht zu erwarten sind. Gerade in Kombination mit einem wirksamen Antihistaminikum können sie einen stärkeren Therapieerfolg bei stärkeren Symptomen ermöglichen.

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