Nabelbruch (Nabelhernie)

Plötzlich auftretende oder bereits bei der Geburt vorhandene Vorwölbungen im Bereich des Nabels sind meist ein Hinweis auf einen sogenannten Nabelbruch. Während sich dieser in den meisten Fällen selbstständig zurückbildet, so sollte dennoch ein Kinderchirurg zur regelmäßigen Kontrolle hinzugezogen werden. Bleibt der Nabelbruch unverändert oder prägt sich weiter auf, so kann ein kleiner operativer Eingriff dauerhaft Abhilfe schaffen.

In den meisten Fällen bildet sich ein Nabelbruch in den ersten Lebensjahren selbstständig zurück und ist mit keinen weiteren Einschränkungen verbunden. Dennoch sollte die Entwicklung von einem Facharzt beobachtet werden. Aber nicht nur bei Kindern kann es zu einem Nabelbruch kommen, auch bei Erwachsenen sind Nabelbrüche keine Seltenheit. In diesen Fällen bildet sich diese sogenannte Hernie nicht selbstständig zurück, ein kleiner operativer Korrektureingriff kann hier Abhilfe schaffen.

Wie entsteht ein Nabelbruch?

Damit sich das ungeborene Kind im Mutterleib entwickeln kann, braucht es viele verschiedene Nähstoffe mit denen es versorgt wird. Die Nabelschnur ist ein Strang aus Gefäßen, der den heranwachsenden Embryo mit der Plazenta der Mutter verbindet. Über diesen Kreislauf erhält er Sauerstoff und alle anderen wichtigen Nährstoffe, die er braucht, um gesund heranzuwachsen. 

Nach der Geburt trocknen die Reste dieser Versorgungsleitung aus und die Nabelschnur fällt ab. Übrig bleibt der Bauchnabel, der ein Leben lang an diese besondere Verbindung erinnert. Bei Säuglingen und Kindern kommt es recht häufig zu Nabelbrüchen, etwa jeder zehnte Säugling ist davon betroffen. Besonders Frühchen, die mit einem sehr geringen Geburtsgewicht zur Welt kommen, leiden häufig unter Nabelbrüchen, da die Bauchwand noch nicht ausreichend entwickelt ist um dem Innendruck standzuhalten.

Auch bei Erwachsenen kann es zu Nabelbrüchen kommen, wobei Frauen deutlich häufiger betroffen sind als Männer. Während sich die meisten Nabelbrüche bei Kindern selbstständig zurückbilden, ist bei Erwachsenen eine operative Korrektur erforderlich.

Ein Nabelbruch, auch bekannt als Nabelhernie, kann entweder angeboren sein, oder im Laufe des Lebens erworben werden. Die menschliche Bauchwand ist, sowohl bei Säuglingen, Kindern und Erwachsenen aufgrund des starken Innendrucks im Bauchraum tagtäglich Belastungen ausgesetzt. Eine kleine Lücke im Bindegewebe oder in der Muskelhaut (Faszie) genügt, um dem hohen Innendruck der Bauchhöhle nicht länger standzuhalten. Gibt der Nabel diesem Druck nach, kommt es zu einem Nabelbruch. Durch diese Bruchpforte (Lücke im Bindegewebe des Nabelbereichs) tritt das Bauchfell im sogenannten Bruchsack als sichtbare Vorwölbung nach außen. Diese kleine Beule kann bei Eltern zunächst zu großer Beunruhigung führen, ist in den meisten Fällen jedoch harmlos. 

Formen des Nabelbruchs

Natürlicher und angeborener Nabelbruch

Der natürliche Nabelbruch entsteht bereits im Mutterleib im Zuge der Embryonalentwicklung. Ist die Bauchwand des Embryos noch nicht vollständig ausgewachsen und wächst der Dünndarm zu schnell heran, so kann es zu einem Platzmangel in der Bauchhöhle kommen. Die Darmschlingen weichen deshalb in den Bereich der Nabelschnur aus und bilden dort eine Art Schleife, die mit der voranschreitenden Entwicklung des Embryos wächst. Man spricht in diesem Fall von einem natürlichen (physiologischen) Nabelbruch.

In der Regel bildet sich der natürliche Nabelbruch während den weiteren Embryonalstadien selbstständig zurück, da sich die Darmschlingen bei ausreichendem Platzangebot im Bauchraum, wieder an ihre ursprüngliche Position verlagern. Bildet sich der physiologische Nabelbruch bis zur Geburt nicht zurück, spricht man von einem angeborenen Nabelbruch. Dies ist die am häufigsten auftretende Form bei Säuglingen. 

Erworbener Nabelbruch

Entsteht ein Nabelbruch erst nach der Geburt, während der weiteren Entwicklung des Kindes, so spricht man von einem erworbenen Nabelbruch. Meist entsteht dieser in den ersten Wochen nach der Geburt. Da der Nabel in dieser Zeit noch nicht vollständig verheilt ist und die Muskelhaut um den Nabel noch nicht vollständig geschlossen ist, kommt es zu einem Hervortreten einer kleinen Beule in diesem Bereich.

Wird der natürlich hohe Innendruck der Bauchhöhle durch Schreien, Husten, Niesen oder Pressen aufgrund der Aktivierung verschiedener Muskelgruppen und der willkürlichen Druckausübung zusätzlich erhöht, kann das Risiko eines Nabelbruchs erhöht werden. Dies kann auch bei Kleinkindern auftreten. Bei Säuglingen geht ein Nabelbruch nur selten mit Schmerzen einher. Bei größeren Kindern kann ein kurzer ziehender Schmerz im Bereich des Bauchnabels, der beim Hinlegen oder Aufstehen empfunden wird, auftreten. Auch bei Kleinkindern oder Säuglingen bereitet ein Nabelbruch keine Schmerzen, dennoch sollte er regelmäßig von einem Facharzt untersucht werden. 

Nabelbruch bei Erwachsenen

Im Erwachsenenalter sind vor allem zwei Dinge entscheidend, ob es zur Entstehung eines Nabelbruchs kommt. Liegt im Bereich des Nabels eine Bindegewebsschwäche vor und ist der Bauchraum einem besonders hohen Druck ausgesetzt, so kann es zu einer kleinen Öffnung im Inneren der Bauchwand kommen. Aufgrund dieser Lücke kann die Bauchdecke dem Druck nicht länger standhalten, sodass Teile des Bauchfells durch den sogenannten Bruchsack nach außen treten.
Ein Nabelbruch kann aufgrund verschiedener Ursachen entstehen. Leiden Personen unter Übergewicht oder heben sie häufig schwere Lasten, so ist die Bauchdecke einer zusätzlichen Belastung ausgesetzt. Auch Schwangerschaften erhöhen den Innendruck der Bauchhöhle enorm, sodass es auch hierbei zu Nabelbrüchen kommen kann.

Eine genetisch veranlagte Bindegewebsschwäche oder frühere Operationen im Bauchraum können die Entstehung eines Nabelbruchs begünstigen. Auch der Konsum von Nikotin schädigt das Bindegewebe, sodass es bei Rauchern häufiger zu einer Hernie kommt. Darüber hinaus gibt es verschiedene Erkrankungen, die das Risiko eines Nabelbruchs erhöhen. Dazu zählen vor allem Diabetes, Leberzirrhose, Aszites oder chronische Lungenerkrankungen.

Diagnose

Um eine exakte Diagnose stellen zu können, muss zunächst eine körperliche Untersuchung stattfinden. In den meisten Fällen lässt sich ein Nabelbruch recht schnell feststellen. Dabei tastet der behandelnde Facharzt den Bauch des Patienten ab und kann dabei schon meist die Ausprägung des Bruchs und die Struktur der Öffnung im Bindegewebe ausmachen. Anschließend wird geprüft, ob sich die Vorwölbung leicht in den Bauchraum zurückschieben lässt. Besteht der Verdacht, dass sich in der Vorwölbung Teile der Darmschlingen befinden, führt der behandelnde Arzt ggf. eine Ultraschalluntersuchung durch, die genauen Aufschluss über die Bestandteile der vorliegenden Wölbung gibt. 

Kann ausgeschlossen werden, dass Teile des Darms hervorgetreten sind, so wird die weitere Entwicklung des Nabelbruchs regelmäßig untersucht. Da sich ein Nabelbruch zwischen dem Säuglingsalter bis zum Ende des 4.-5. Lebensjahres häufig selbstständig zurückbildet, ist eine operative Behandlung zunächst nicht erforderlich. Sollte die Vorwölbung oder die Bruchpforte größer werden, es zu einer Einklemmung von Bauchfell oder Darmschlingen kommen, oder sollten sich andere Beschwerden einstellen, so ist ein operativer Eingriff die geeignete Behandlungsmethode.

Eine Operation bei Säuglingen wird jedoch nur in Ausnahmefällen durchgeführt. Hält sich der Nabelbruch hartnäckig bis ins Vorschulalter des Kindes ohne dass eine natürliche Reposition ersichtlich ist, wird im Normalfall ein operativer Eingriff vorgenommen.

Nabelbruch-OP

Ist eine Operation notwendig, so findet diese in der Regel unter Vollnarkose statt. Bei Erwachsenen kann der Eingriff auch mit Dämmerschlaf oder Analgosedierung stattfinden. Bei diesem Eingriff wird die Bruchlücke über einen kleinen Einschnitt 2-schichtig durch Naht verschlossen. Der Eingriff findet ambulant statt.

Im Normalfall bedeutet das, dass Eltern ihre Kinder nach einer kurzen Überwachungszeit am selben Tag wieder mit nach Hause nehmen können. Bei Säuglingen bis zu einem Alter von 6 Monaten ist eine Übernachtung zur Kontrolle sinnvoll. Der Eingriff selbst ist ein kleiner Eingriff,  der etwa eine halbe Stunde in Anspruch nimmt. 

Operationstechnik

Bei kleineren Nabelbrüchen ohne komplexe Beschwerden wird in den meisten Fällen die sogenannte Spitzy-Methode angewandt. Dabei wird ein kreisrunder Schnitt um den Nabel gesetzt. Anschließend wird der Bruchsack vom Nabel entfernt und der Inhalt wieder in den Bauchraum positioniert, ehe die Bruchpforte sorgfältig verschlossen wird. Damit der Eingriff keine kosmetischen Spuren hinterlässt wird bei diesem Eingriff eine spezielle Nahttechnik angewandt, die optimale Ergebnisse verspricht.

Bei ausgeprägteren Nabelbrüchen kommt meist die sogenannte Dick-Mayo Methode zum Einsatz. Ziel der Operation ist es die Bauchwand nachhaltig zu stärken und dauerhaft mehr Stabilität zu ermöglichen. Diese Methode wird auch dann eingesetzt wenn Nabelbrüche wiederholt auftreten. Bei diesem Verfahren wird eine spezielle Nahttechnik verwendet.
Mithilfe der sogenannten Fasziendopplung werden die Bauchwandschichten überlappend vernäht und stabil mit dem Nabel verbunden. Sollte sich das Operationsgebiet dadurch stark spannen, wird vom Operateur ein stabilisierendes Kunststoffnetz eingesetzt. Dadurch kann die Lücke in der Bauchwand dauerhaft stabilisiert werden wodurch der Entstehung erneuter Nabelbrüche vorgebeugt werden kann. 

Bei Säuglingen und Kleinkindern ist das Einsetzen eines Kunststoffnetzes in der Regel nicht erforderlich.

Nachsorge

Nach einer operativen Behandlung darf sich das Kind ohne Einschränkungen bewegen, jedoch sollten Eltern darauf achten, dass größere Anstrengungen und wildes Herumtollen für etwa zwei Wochen vermieden werden. Ältere Kinder sollten für zwei Wochen vom Sport befreit werden. Um den Heilungsprozess bestmöglich zu unterstützen und das Infektionsrisiko auf ein Minimum zu beschränken, sollte in dieser Zeit auch auf Besuche im Schwimmbad verzichtet werden. Der Operationsbereich wird nach dem Eingriff sorgfältig abgeklebt, sodass Duschen oder Waschen des Kindes zu Hause nach bereits nach zwei Tagen wieder möglich ist. Der Wundheilungsprozess ist in der Regel bereits nach einer Woche abgeschlossen und auch bei der Nahrungsaufnahme müssen keine Einschränkungen berücksichtigt werden. Da im Normalfall selbstauflösende Nähte verwendet werden, entfällt das Ziehen der Nähte. Der Verbandswechsel und eine Kontrolluntersuchung sollte nach der Operation zum vereinbarten Termin unbedingt eingehalten werden.

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Folgende Spezialisten behandeln einen Nabelbruch

  • dr_goeppl_profil

    Dr. med.
    Maximilian Göppl

    Facharzt für Kinderchirurgie

    Praxisklinik für Kinderchirurgie Dr. med. Göppl

    München

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