Schuppenflechte (Psoriasis)

Psoriasis ist der medizinische Fachausdruck für die Hautkrankheit Schuppenflechte. Die Bezeichnung Schuppenflechte weist auf ein typisches Gesicht der Hauterscheinung hin: Schuppen und entzündlich gerötete Haut. Betroffene leiden nicht nur unter unangenehmen Juckreiz, auch das typische Erscheinungsmerkmal der Hauterkrankung führt bei vielen zu einer Einschränkung des Wohlbefindens und Selbstbewusstseins.

Die Schuppenflechte entsteht durch eine fehlgesteuerte Autoimmunreaktion. Dabei richtet sich das Immunsystem gegen körpereigene Zellen der Oberhaut. Diese Fehlreaktion führt dazu, dass sich diese Zellen übermäßig stark vermehren und deshalb viel schneller als bei einer normalen Haut an die Hautoberfläche wandern. Die Haut des gesunden Menschen erneuert sich innerhalb von circa 26-27 Tagen. Diese Zeitspanne ist bei den Menschen mit Schuppenflechte auf etwa 6 - 7 Tage verkürzt. Als Folge bilden solche Hautzellen glänzende Schuppen auf typischen, scharf begrenzten Hautarealen, verbunden mit einer auf diese Gebiete begrenzte stark durchbluteten, roten Haut.

Betroffen sind vor allem die Streckseiten von Armen (zum Beispiel Ellbogen) und Beinen (zum Beispiel Schienbeinbereich), die Kopfhaut, aber auch Gesäß, Brust und Rücken, bisweilen auch Augenbrauen, Achselhöhlen, Bauchnabel oder Geschlechtsorgane beziehungsweise der Gesäßfalte. Problematisch wegen der Sichtbarkeit sind Gesicht, Haaransatz und die Hände. Neben dem Juckreiz, der häufig von den betroffenen Arealen ausgeht, leiden Betroffene zudem häufig unter einem psychischen Leidensdruck. Aufgrund der Auffälligkeit der Schuppenflechte fühlen sie sich in ihrer Attraktivität und im Kontakt mit dem sozialen Umfeld stark beeinträchtigt.

Ursachen

Die auslösenden Ursachen sind bisher nur zum Teil geklärt. Als gesichert gilt, dass die Anlage der Psoriasis vererbt wird. Die Wahrscheinlichkeit der Vererbung ist dabei deutlich höher (60 - 70 %), wenn beide Elternteile über die Erbanlage verfügen. Bei nur einem betroffenen Elternteil werden circa 30 % beobachtet. Dabei reicht die Erbanlage alleine nicht aus, um die Krankheit auszulösen. Auch äußere Faktoren wie beispielsweise Verletzungen oder innere Faktoren, wie eingenommene Medikamente, Stress oder ähnliches können zum Ausbruch der Erkrankung führen. Infektionskrankheiten, Stoffwechselstörungen, hormonelle Faktoren und andere umweltbedingte Einflüsse können ebenso eine auslösende Wirkung haben. Sowohl der Zeitpunkt der Ersterkrankung als auch Form, Schwere und Verlauf können – selbst innerhalb einer Familie – individuell sehr unterschiedlich sein.

Verschiedene Psoriasis-Typen und -Formen

Man unterscheidet drei Psoriasis-Formen:

  • die gewöhnliche Schuppenflechte (Psoriasis vulgaris),
  • Schuppenflechte mit Pustelbildung (Psoriasis pustulosa) 
  • Schuppenflechte mit Gelenkbeteiligung (Psoriasis arthropathica, Psoriasis-Arthritis).

80 % der Betroffenen leiden an der gewöhnlichen Form der Schuppenflechte.

Mehr als die Hälfte aller Betroffenen erkrankt bereits vor dem 40. Lebensjahr erstmals an der gewöhnlichen Schuppenflechte (Typ 1-Psoriasis). Die Typ1-Psoriasis manifestiert sich dabei häufig erstmalig während der Pubertät. Der seltenere Spättyp (Typ 2-Psoriasis) bricht erst im fünften bis sechsten Lebensjahrzehnt aus. 

Die Krankheit verläuft in aller Regel chronisch oder in wiederkehrenden Schüben, wobei kürzere oder längere akute Phasen mit Perioden ohne oder mit wenigen Symptomen wechseln können. Schweregrad und Ausdehnung sind individuell und sehr unterschiedlich. 

Vor allem bei Typ 1-Psoriasis-Patienten mit längerem Verlauf können Komplikationen an anderen Organen auftreten. Neben der Haut- und Gelenkentzündung entwickeln Psoriasis-Patienten vermehrt auch Übergewicht, Fettstoffwechselstörungen, Diabetes mellitus sowie Bluthochdruck. Gemeinsam mit der chronischen Hautentzündung als unabhängigem Faktor bedingen sie in Abhängigkeit von Dauer und Schwere der Psoriasis auch ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. 

Auch andere Krankheiten wie rheumathoide Arthritis und entzündliche Darmerkrankungen, wie zum Beispiel Morbus Crohn, treten bei Schuppenflechte-Patienten häufiger auf.

Da Schuppenflechte erblich bedingt wird,  ist die Hautkrankheit nicht heilbar. Dank dem Fortschritt der modernen Medizin ist sie heute aber gut behandelbar: eine ganze Palette moderner Behandlungsmethoden steht zur Verfügung, die je nach Art und Ausprägung der Erkrankung angewendet werden können.

Diagnose

Der Arzt stellt die Diagnose in der Regel nach einer gründlichen Untersuchung der Haut. Dabei helfen ihm manchmal bestimmte Merkmale, die typisch für eine Schuppenflechte sind: Kratzt er eine Schuppe vorsichtig ab, verbleibt darunter zunächst ein dünnes Häutchen ("letztes Häutchen"). Löst er auch dieses, blutet die Stelle leicht und punktförmig.

Um andere Krankheiten mit ähnlichen Symptomen auszuschließen (zum Beispiel Ekzeme, Pilzinfektionen, Syphilis), müssen stets Blutuntersuchungen, Abstriche und gegebenenfalls Gewebeproben vorgenommen werden. Sind Gelenke betroffen, müssen mittels Bildgebungsverfahren (MRT, Nuklearszintigramm und/oder Röntgenaufnahmen) die entsprechenden Veränderungen nachgewiesen werden, um auch die Therapie richtig und rechtzeitig zu wählen.

Therapie

Weil eine ursächliche Heilung nicht möglich ist, zielen Therapien immer auf eine Linderung und das Abheilen der Symptome, eine Verkürzung der akuten Krankheitsphase und eine Vermeidung neuer Schübe. Die Behandlung basiert – neben der sorgfältigen Hautpflege – auf drei Säulen: äußerliche Therapie, innerliche Therapie und Photo-Therapie. Ein Wechsel der Therapie-Form nach gewisser Zeit kann hilfreich sein. 

Äußere Therapie

Die meisten äußerlich wirkenden Medikamente werden in Form von Cremes, Salben und Lotionen aufgetragen. Darüber hinaus stehen Badezusätze und Shampoos zur Verfügung um Patienten neues Wohlbefinden zu verschaffen. Um die Schuppen abzulösen, kommen Bäder und Salbenverbände mit Wirkstoffen wie Salicylsäure, Harnstoff oder Milchsäure zum Einsatz. Der zeitliche Aufwand einer äußerlichen Behandlung beträgt pro Tag je nach Ausdehnung der Hautveränderungen zwischen zehn und 45 Minuten. Es gibt inzwischen aber die sogenannte Minutentherapie, die besonders leicht in der Handhabung ist. Dabei wird die verwendete Salbe nach einer zuvor genau festgelegten Einwirkzeit von nur wenigen Minuten wieder abgewaschen.

Von Vitamin D abgeleitete Wirkstoffe wirken ebenfalls entzündungshemmend und sind eine Standardtherapie, die allein einsetzbar und gut mit der Photo-Therapie kombinierbar ist. Häufig werden Vitamin D-Präparate auch mit Cortisonsalben kombiniert. 

Innere Therapie

Bei schweren Verlaufsformen, oder wenn die äußere Anwendung nicht erfolgreich ist, werden Medikamente zur Einnahme verabreicht. Voraussetzung für eine solche innere Behandlung der Schuppenflechte, die in der Regel in Kombination mit äußerlich angewendeten Mitteln und/oder Photo-Therapie erfolgt, ist ein gewisser Schweregrad der Erkrankung. 

In Frage kommt dann zum Beispiel eine Behandlung mit Vitamin-A-, die stets mit äußerlicher Behandlung, besonders auch UV-Licht, kombiniert wird. Diese Wirkstoffe normalisieren das Zellwachstum, beschleunigen die Abschuppung und wirken antientzündlich. Diese Therapieform mit Vitamin-A sollte bei Frauen jedoch nur angewendet werden, wenn eine sichere Verhütung einer Schwangerschaft (auch für einige Zeit über die Therapiedauer hinaus) gewährleistet ist, weil sie das ungeborene Kind schädigen können. 

Des Weiteren kann eine immunsuppressive Therapie (mit Medikamenten, die die Funktionen des Immunsystems vermindern) in Betracht gezogen werden. Die Wirkstoffe bei dieser Therapie sind bewährt und können auch über längere Zeit unter ärztlicher Begleitung gut vertragen werden.

Ebenso kommen seit einigen Jahren auch sogenannte Biologika zum Einsatz. Das sind speziell hergestellte Wirkstoffe, die bestimmten körpereigenen Substanzen ähneln. Auch sie heilen die Psoriasis nicht, können sie aber gut unterdrücken – solange sie angewendet werden. Sie werden meist unter die Haut injiziert oder als Infusion verabreicht. 

Photo- und Klima-Therapien

Sonne oder die Bestrahlung mit künstlichem und auf bestimmte Wellenlängen abgestimmtem UV-Licht lindern bei vielen Psoriasis-Patienten die Beschwerden. Therapeutisch werden Wasser-Bäder mit einem Salz-Gehalt (Sole-Gehalt) von mehr als 15 bis 30% mit einer kontinuierlichen UV-Bestrahlung kombiniert. Der hohe Salzgehalt des Wassers löst die Schuppen und die ultraviolette Strahlung bewirkt eine Normalisierung der Zellteilung. 

Diese sogenannte Photo-Solebehandlung wird seit rund 25 Jahren zum Beispiel in Kliniken und Rehakliniken eingesetzt. Betroffene reisen auch häufig zum Beispiel ans Tote Meer, wo die entsprechenden Bedingungen dafür von Natur aus gegeben sind. An Nord- und Ostsee oder anderen Psoriasis-Spezialkliniken wird diese Methode in Deutschland eingesetzt. Leider führt diese Vorgehensweise nicht zu dauerhafter Besserung, denn die lindernde Wirkung lässt relativ bald nach, nachdem Betroffenen wieder zu Hause sind.

Parallel dazu wurden Anfang der 1980er-Jahre die orale Photochemo-Therapie (orale PUVA-Behandlung) sowie die sogenannte Bade-PUVA-Therapie etabliert. Dabei wird durch einen in der Natur vorkommenden Wirkstoff, der in Tablettenform eingenommen beziehungsweise als Badezusatz oder Creme zugeführt wird, die Haut lichtempfindlicher gemacht. Auch wenn diese PUVA-Therapie sehr wirksam ist, führt sie zeit- und dosisabhängig langfristig zu einer erhöhten Hautkrebsgefahr. Daher bekommen Psoriasis-Patienten einen UV-Pass, in den alle Bestrahlungen eingetragen werden.

Lasertherapie

Bei der Laser-Therapie wird Laserlicht gezielt auf von der Psoriasis betroffene Hautflächen gerichtet. Dabei kommt deutlich höhere Energie zum Einsatz als bei der Photo-Therapie. Der gebündelte Lichtimpuls kann erkrankte Hautflächen erreichen, ohne die gesunde Haut in der Umgebung zu beeinträchtigen. Die Lasertherapie eignet sich insbesondere für kleinere Herde der Schuppenflechte, zum Beispiel an den Knien oder Ellenbogen. 

Vorbeugung

Ein großes Problem der Psoriasis-Patienten sind auch die psychosomatischen Beschwerden und die Einschränkung der Lebensqualität. 

Hilfreich für Betroffene ist oft, für sich herauszufinden, was einen Psoriasis-Schub auslöst- Zum Beispiel Stress, Nikotin- oder Alkoholkonsum, aber auch hohes Übergewicht oder häufige Sonnenbrände können Schübe begünstigen. Für Betroffene ist es hilfreich diese Risikofaktoren zu umgehen oder zumindest zu begrenzen. 

Fest steht: wer sich gesund ernährt, nicht raucht, nur maßvoll Alkohol konsumiert und bei Normalgewicht seine Fitness nicht vernachlässigt, der stärkt Körper und Seele, hat ein robusteres Immunsystem und gilt als weniger anfällig für Psoriasis-Schübe.

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