Keloide

Bei Verletzungen, Unfällen, Operationen oder Verbrennungen wird die Haut in Mitleidenschaft gezogen. Sind die Wunden erstmal verheilt, bleiben häufig größere oder kleinere Narben zurück. Bei manchen Menschen verschwinden sie schnell, bei anderen kommt es wiederum zu wulstigen Wucherungen im Bereich der Narbe und darüber hinaus. Mit der richtigen Behandlung können aber auch störende Keloide beseitigt werden.

Bei oberflächlichen Verletzungen wie Schürf-, Schnitt- oder Risswunden heilt die Haut in der Regel vollständig und ohne bleibende Narben ab. Werden bei den Verletzungen jedoch tiefere Hautschichten verletzt, so entstehen im Rahmen der Heilung Narben. Häufig sind es dünne rötliche oder lilastichige Linien, die an ehemalige Verletzungen, Operationen oder Unfälle erinnern. 

Bleiben auch nach Monaten oder sogar Jahren dauerhafte Narben zurück, so kann eine Narbenkorrektur dabei helfen, diese Spuren verschwinden zu lassen. 

Bei einigen Patienten kommt es während des Heilungsprozesses jedoch zu wulstigen Hautwucherungen, sogenannten Keloiden oder Wulstnarben, die eine besonders sorgsame Behandlung benötigen.
Mittlerweile steht eine breite Vielfalt an Behandlungsmethoden bereit, um nicht nur störende Narben verschwinden zu lassen, auch Keloide können heute mit Hilfe verschiedener Therapieformen individuell behandelt werden.

Was sind Keloide und wie entstehen sie?

Kommt es während des Heilungsprozesses zu extremen Hautwucherungen im Bereich der Narbe und darüber hinaus, so spricht man von sogenannten Keloiden. Umgangssprachlich werden diese Wucherungen auch als Wulstnarben bezeichnet.

Normalerweise heilen Wunden durch eine feine Balance zwischen Auf- und Abbau von Bindegewebe mehr oder weniger glatt ab. Gerät diese empfindliche Balance aus dem Gleichgewicht und es wird zu viel Gewebe produziert, kommt es zu unnatürlichen, aber gutartigen Hautwucherungen - Keloide entstehen.

Nach aktuellem Wissensstand ist das Entstehen von Keloiden erblich bedingt. Was dabei jedoch auf molekularer Ebene abläuft, ist bislang jedoch nicht eindeutig belegt.
Bei Patienten mit dieser genetischen Veranlagung kann es schon bei kleinen Verletzungen zur Entstehung von Wulstnarben kommen.

Das Problem bei Keloiden besteht vor allem darin, dass die Wulstnarben nicht von alleine abheilen. Auch Jahre nach der ursprünglichen Verletzung können Sie weiter wachsen und sich auch auf gesundes Gewebe ausweiten. Unbehandelt können Keloide auf diese Weise sehr große Ausmaße erreichen und bei Betroffenen einen starken Leidensdruck verursachen.

Keloide zeichnen sich vor allem durch folgende Merkmale aus: 

  • knotige Hautveränderungen mit glatter Oberfläche
  • deutliche rötliche Verfärbungen
  • bilden meist lippenförmige Auswucherungen
  • verursachen Juckreiz und Druckschmerzen
  • breiten sich mit der Zeit immer weiter aus

Was unterscheidet Keloide von anderen Narben?

Anders als herkömmliche Narben entstehen Keloide in einem Entündungsprozess aus einem Übermaß an Wachstumsfaktoren während der Heilung. Durch die übermäßige Bildung von Bindegewebe kommt es zu Wulstnarben, die sich nach einiger Zeit auch auf das umliegende gesunde Gewebe ausweiten.

Keloide sind immer erhaben und verdickt und meist rötlich gefärbt. Neben ästhetischen Unzulänglichkeiten gehen Keloide häufig auch mit unangenehmen Druckschmerzen und Juckreiz einher. Keloide treten besonders nach Verletzungen in Bereichen mit hoher Hautspannung auf. So beispielsweise im Bereich der Schulter oder des Brustbeins.
Weiter sind auch besonders häufig Ohrläppchen bzw. Ohrmuscheln von Keloiden betroffen. 

Behandlungsmöglichkeiten bei Keloiden

Besteht der Verdacht auf krankhafte wuchernde Wulstnarben, so sollte möglichst zeitnah mit einer entsprechenden Behandlung bei einem Facharzt begonnen werden. Dermatologen, oder Plastisch-ästhetische Chirurgen sind dabei in der Regel ideale Ansprechpartner. 

Um Keloide erfolgreich behandeln zu können, empfiehlt es sich verschiedene Behandlungsmethoden miteinander zu kombinieren, um erneut auftretende Wucherungen zu vermeiden. Dabei ist es wichtig die Therapie auf die individuellen Bedürfnisse jedes Patienten auszurichten. Da Keloide erblich veranlagt sind, kann es bei Patienten auch nach einer Behandlung zu einer erneuten Hautwucherung kommen. Ein individueller Behandlungsplan ist deshalb für dauerhafte Ergebnisse entscheidend.

Zu den gängigsten Behandlungsoptionen bei Keloiden zählen die Unterspritzung (Instillation) mit Kortison, Silikongele oder - folien, Kompressionstherapie, Kryotherapie und verschiedene Laserverfahren oder die chirurgische Entfernung.

Intraläsionale Injektionstherapie bei Keloiden

Um wulstige Narben zu behandeln, hat sich die Unterspritzung mit sogenannten Glukokortikosteroiden (Kortison) bewährt. Diese injizierten Glukokortikosteroide werden direkt in das Narbengewebe injiziert und vermindern so übermäßige Narbenwachstum. Der Wirkstoff hemmt die Bildung von  Kollagen und wirkt zudem entzündungshemmend. chronische Entzündungsprozesse, wie es bei Keloiden der Fall ist, können so unterdrückt werden. Gleichzeitig können dadurch Juckreiz und Schmerzen beseitigt werden.

Auch die Narbendicke lässt sich nach und nach reduzieren und wulstige Narben verschwinden. Die Unterspritzung von Keloiden mit Kortison hat eine Ansprechrate von 50 bis 100 Prozent. Bei 9 bis 50 Prozent der Betroffenen kommt es jedoch zu einer Neubildung wulstiger Narben. Eine kombinierte Behandlung mit anderen Therapien ist deshalb empfehlenswert und erzielt höchste Erfolge. Besonders die kombinierte Behandlung von Injektionstherapie mit der Kryotherapie konnte bislang gute Erfolge erzielen. 

Kryotherapie bei Keloiden

Bei der Kryotherapie wird die Narbe mit Hilfe von flüssigem Stickstoff intensiv mit Kälte behandelt. Durch die große Kälteeinwirkung während der Behandlung kommt es zu einem langsamen Abbau des Narbengewebes. Um kleine Verletzungen zu vermeiden und so erneutem Narbenwachstum vorzubeugen, sollte die Behandlung nur von erfahrenen Spezialisten durchgeführt werden. Durch die Kälteeinwirkung schrumpfen vor allem die oberen Narbenanteile, sodass wulstige Narben schrumpfen.

Druckverbände bei Keloiden

Bei dieser Behandlungsmethode wird mit Hilfe spezieller Kompressionssysteme Druck auf die Narbe ausgeübt. Ist bereits bekannt, dass im individuellen Fall das Risiko von Keloid-Bildung besteht, so sollten Kompressionsbandagen unmittelbar nach Verletzungen oder OPs eingesetzt werden. Dadurch soll das Wachstum des Keloids gebremst werden. Hat sich bereits ein Keloid gebildet, so kann durch die Kompressionstherapie auch ein ‘Abflachen’ der Wulstnarbe erzielt werden.

Abhängig von der Lokalisation der Narbe sind individuell angefertigte Kompressionsbandagen oder - schienen erforderlich um kontinuierlichen Druck auf das Narbengewebe auszuüben. Auch an den Ohrmuscheln kommen Keloide, beispielsweise durch das Stechen von Ohrlöchern bzw. Piercings, besonders häufig vor. Hierfür wurden spezielle Kompressionsschienen entwickelt, die von Patienten nachts getragen werden, um das Wuchern von Keloiden zu verhindern.

Lasertherapie bei Keloiden

Bei der Behandlung von Keloiden werden vor allem sogenannte nicht-ablative Lasersysteme, wie Farbstofflaser oder Nd:Yag-Laser eingesetzt. Mit Hilfe von Farbstofflasern lassen sich Keloide, die üblicherweise stark rot gefärbt sind, gut behandeln. Die Laserimpulse lösen die Blutgefäße im Bereich der Narbe auf und reduzieren die Produktion von entzündungsfördernen Substanzen und Wachstumsfaktoren. Zeigen Injektionstherapien im individuellen Fall keine Wirkung, so wird der Farbstofflaser ebenso zur Beseitigung von starkem Juckreiz eingesetzt. Alternativ kann auch der sogenannte Neodym-YAG-Laser eingesetzt werden. Er besitzt eine ähnliche Wirkung wie der Farbstofflaser dringt aber tiefer in die Haut ein. 

Behandlung von Keloiden mit Silikongelen oder -folien

Bei dieser Behandlungsmethoden werden Silikongele oder Silikonfolien über mehrere Monate auf die Narbe aufgetragen bzw. gelegt. Durch diese Silikonschicht wird die Abgabe von Wasser und Wärme durch die Haut blockiert, wodurch das Narbengewebe besser durchblutet und abgebaut wird. Vor allem nach einer Operation oder Verletzung sollten  diese Silikongele oder -folien zeitnah eingesetzt werden, um bereits ersten Wulstnarben vorzubeugen.

Chirurgische Therapie bei Keloiden

Eine chirurgische Entfernung sollte nur in Kombination mit einer Anschlusstherapie  durchgeführt werden. Denn jede Verletzung der Haut führt zu einer neuen Narben und damit weiteren Keloiden. So besteht auch bei einer operativen Entfernung das Risiko eine größere Narbe zu verursachen. Meist werden deshalb nur größere und bewegungseinshränkene Hautwucherungen chirurgisch entfernt. Um das erneute Auftreten von Keloiden zu vermeiden, muss im Anschluss jedoch unmittelbar mit anderen Therapiemethoden begonnen werden. Auf diese Weise kann der erneuten Entstehung von Wulstnarben vorgebeugt werden. 

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